Moderne Psychotherapie Praxis München

Glossar

Abhängigkeitserkrankungen: siehe Sucht

ADHS: Während die Krankheit in der Kindheit durch Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität geprägt ist, tritt im Erwachsenenalter die Hyperaktivität oft in den Hintergrund und die Betroffenen leiden vorwiegend unter den Folgen der Desorganisation, Impulsivität und der großen Stimmungsausschläge. Auch wenn die Diskussion über diese Krankheit in der Öffentlichkeit oft unsachlich geführt wird und weitere Forschung dringend notwendig ist (z. B. zu unterschiedlichen Erscheinungsformen bei Jungen und Mädchen), steht außer Zweifel, dass sich die Störung häufig nicht einfach „nach der Pubertät verwächst“ und viele Erwachsene unter den negativen Auswirkungen auf Beruf und Beziehung leiden.

Affektive Störungen: Die Gefühle bzw. die Stimmung und meist auch das Aktivitätslevel sind krankhaft verändert. Beispielsweise in Richtung niedergeschlagen, hoffnungslos bzw. gefühllos (Depression und/oder Dysthymia, wenn weniger ausgeprägt und länger andauernd), oder euphorisch, selbstüberschätzend und reizbar (Manie bzw. Hypomanie, wenn weniger ausgeprägt; bipolar, wenn in der Vergangenheit auch depressive Phasen).

Analytische Psychotherapie: Ein Therapieverfahren, das auf der Freud’schen Psychoanalyse und ihren Weiterentwicklungen beruht. Die „klassische“ Psychoanalyse geht über eine Heilbehandlung hinaus und stellt eher eine zeitlich kaum befristete Selbsterfahrungsmethode dar. Im deutschen Gesundheitssystem muss aber störungsbezogen behandelt werden, weshalb die analytische Psychotherapie als entsprechende Anpassung der klassischen Psychoanalyse verstanden werden kann. Im Kern geht es um das Auflösen von unbewussten Konflikten und verdrängten Erfahrungen, aus denen das aktuelle Leiden hervorgehen soll. Gearbeitet wird mit „Übertragung“ („Welche früheren Erlebnisse überträgt die Person gerade auf mich?“), „Gegenübertragung“ („Was löst die Person damit bei mir aus?“) und „Widerstand“ („Wie wird der Zugang zum Unbewussten gerade verhindert?“) unter Zuhilfenahme von Methoden wie Deutung, Klärung oder Konfrontation.

Angststörungen: Bestimmte Situationen oder Objekte lösen eine intensive Furcht mit zahlreichen körperlichen und psychischen Symptomen aus oder werden vermieden. Das Ausmaß der Furcht steht in keinem Verhältnis zur objektiven Gefährlichkeit des Auslösers. Diese Auslöser können bei den spezifischen Phobien beispielsweise Tiere sein (Spinnen), Naturereignisse (Gewitter), Situationen (Höhe, Enge), die Konfrontation mit Blut oder Spritzen; im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von anderen Menschen zu stehen (soziale Phobie); oder „ausgeliefert“ zu sein in Menschenmengen, auf öffentlichen Plätzen oder auf weiten Reisen (Agoraphobie). Auch Panikattacken aus heiterem Himmel (Panikstörung) und eine lang andauernde übermäßige Besorgtheit im Hinblick auf verschiedene Alltagsereignisse (generalisierte Angststörung) zählen hierzu.

Anpassungsstörungen: Nach einem Einschnitt im Leben gelingt die Anpassung an die neuen Umstände nicht gut und es kommt zu Symptomen wie depressiven und/oder ängstlichen Reaktionen, dem Gefühl, nicht mehr zurecht zu kommen oder einer Veränderung im Sozialverhalten. Bei diesen Einschnitten handelt es sich nicht um traumatische Ereignisse, sondern um belastende Ereignisse, die prinzipiell jeder erlebt (Verlust wichtiger Menschen, bedeutsame Übergänge im Leben).

Ärztliche Psychotherapeut(inn)en: Personen, die Medizin studiert und zusätzlich eine psychotherapeutische Ausbildung absolviert haben. Im Gegensatz zu psychologischen Psychotherapeut(inn)en, die vor einer ähnlichen Zusatzausbildung Psychologie studiert haben.

Bioplare Störung: siehe Affektive Störungen

„Burnout“/Stress: Ein Syndrom, das streng genommen keine Krankheit ist, sondern eine Mischung aus emotionaler Erschöpfung, einem Gefühl von Entfremdung und sinkender Leistungsfähigkeit, oftmals ergänzt um körperliche Symptome und den Aspekt der Selbstüberforderung bei der Arbeit. Häufig verbergen sich dahinter jedoch auch affektive oder Angststörungen. Deshalb ist eine professionelle Abklärung ratsam, bevor Maßnahmen ergriffen werden, die vielleicht zu kurz greifen oder gänzlich ungeeignet sind.

CBASP: Spezialisiertes Verfahren zur Behandlung chronischer Depression. Im Kern steht vor allem das eigene Verhalten im Kontakt mit anderen Menschen („Wie kann ich mehr von dem bekommen, was ich brauche?“) und die Vermittlung von korrigierenden Erfahrungen in der therapeutischen Beziehung.

Depression: siehe Affektive Störungen

Dysthymia: siehe Affektive Störungen

Emotionale Aktivierungstherapie (EAT): Ein Therapieverfahren, das als Weiterentwicklung der Strategisch-Behavioralen Therapie (SBT) verstanden werden kann. Ausgehend von einem breiteren Verständnis von Kognition, bei dem Gedanken als untrennbar von körperlichen Zuständen gesehen werden („Embodiment“), werden über Körperhaltung, Mimik, Gestik, Atmung und Stimme gezielt emotionale Zustände erzeugt und therapeutisch genutzt.

Erwachsenen-ADHS: siehe ADHS

Essstörungen: Zentral ist, dass die Nahrungsaufnahme nicht mehr von Hunger und Appetit bestimmt, sondern massiv über- oder unterreguliert ist. Häufig spielt das Essverhalten eine zentrale Rolle beim Umgang mit Stress und unangenehmen Gefühlen. Der eigenen Figur wird eine übermäßige Bedeutung beigemessen und die Beschäftigung mit Essen und Körper rückt ganz in den Mittelpunkt des Lebens. Unterschieden werden die „Magersucht“ Anorexia nervosa, die „Ess-Brech-Sucht“ Bulimia nervosa und die reine „Ess-Sucht“ Binge-Eating-Störung, wobei sich der jeweilige Einzelfall häufig nicht eindeutig einer Kategorie zuordnen lässt. Krankhaftes Übergewicht (Adipositas) alleine ist keine Essstörung, jedoch hat sich Psychotherapie als wirksamer Baustein bei Programmen zur Gewichtsreduktion erwiesen.

Facharzt/-ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie: Personen, die nach einem Medizinstudium noch eine mehrjährige Facharztausbildung absolviert haben. Neben psychotherapeutischen Kenntnissen sind sie vor allem spezialisiert auf die medizinische Behandlung von psychischen Erkrankungen und dürfen im Gegensatz zu psychologischen Psychotherapeuten auch Medikamente verordnen.

Facharzt/-ärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie: Personen, die nach einem Medizinstudium noch eine mehrjährige Facharztausbildung absolviert haben. Sie sind Expert(inn)en für Krankheiten, die durch psychosomatische oder psychosoziale Faktoren entscheidend (mit)bedingt sind – bei Fachärzt(inn)en für Psychiatrie und Psychotherapie stehen rein psychische Erkrankungen stärker im Mittelpunkt.

Heilpraktiker(in) für Psychotherapie: Personen, die auch „Psychotherapie“ anbieten dürfen, dafür aber ganz wesentlich niedrigere Ausbildungsanforderungen erfüllen müssen als Psychotherapeut(inn)en und zudem keiner so strengen Überwachung und Qualitätssicherung durch Kammern unterliegen. (Kammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, denen die berufsständische Selbstverwaltung obliegt, beispielsweise die Psychotherapeutenkammern, aber auch die Ärzte- oder Industrie- und Handwerkskammern.)

Humanistische Psychotherapie: Eine Gruppe von unterschiedlichen Ansätzen und Methoden, die Menschen allesamt dabei unterstützen wollen zu wachsen, zu reifen, Potenziale zu entfalten und ein sinnhaftes und selbstverwirklichtes Leben zu führen. Inwiefern das durch diese Methoden gelingt, ist schwer zu erforschen. Zudem lässt sich dieses Herangehen kaum mit dem störungsorientierten Paradigma des aktuellen Gesundheitssystems vereinbaren, weshalb diese Therapien in Deutschland nicht von den gesetzlichen Kassen bezahlt werden. Zu bekannten Vertretern zählen die Gestalttherapie, die Transaktionsanalyse oder die Logotherapie.

Hypomanie: siehe Affektive Störungen

Nichtorganische Schlafstörungen: Über längere Zeit sind regelmäßig die Dauer, Qualität oder der Zeitpunkt des Schlafes gestört oder es treten Besonderheiten wie Schlafwandeln oder Albträume auf. Es gibt keine anderen körperlichen oder psychischen Störungen, welche die Probleme beim Einschlafen und Durchschlafen (Insomnie) bzw. beim Aufwachen und mit der Müdigkeit tagsüber (Hypersomnie) erklären.

Persönlichkeitsstörungen: Über verschiedene Lebensbereiche hinweg erleben und verhalten sich die Betroffenen anders als der Großteil der Gesellschaft. Das gilt insbesondere für den Kontakt mit anderen Menschen und resultiert in Leidensdruck für die Betroffenen oder ihr Umfeld. Hierunter verbirgt sich natürlich eine Vielzahl unterschiedlicher Ausprägungen, beispielsweise übermäßig anhänglich und loyal („dependent“), besonders sensibel und selbstkritisch („selbstunsicher“), über Gebühr gewissenhaft („zwanghaft“), extrem selbstbewusst („narzisstisch“) oder unkontrollierbar spontan und sprunghaft („Borderline“). Inwiefern diese Einteilung möglich und sinnvoll ist, wird in der Forschung intensiv diskutiert.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Ein lebensbedrohliches Ereignis, das selbst oder als Zeuge erlebt wurde, lässt die betroffene Person nicht mehr los. Erinnerungen daran drängen sich auf, teilweise auch in Träumen oder in Form von „Flash Backs“, bei denen die Betroffenen sich in die jeweilige Situation zurückversetzt fühlen. Ähnliche Situationen werden vermieden (z. B. nach einem Autounfall nicht mehr Auto fahren) und die Person ist permanent übererregt bzw. kann sich an die Situation nicht mehr erinnern. Unterschieden wird zwischen dem Typ-1-Trauma, einem einmaligen Ereignis wie z. B. ein Autounfall oder eine Naturkatastrophe, und dem Typ-2-Trauma, bei dem es über lange Zeit zu wiederholten Traumatisierungen kommt, wie z. B. bei Kindsmissbrauch oder häuslicher Gewalt.

Psychologe/-in: Person, die das Fach Psychologie studiert hat. In diesem Fach geht es zunächst allgemein um das Wahrnehmen, Erleben, Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln von Menschen. Gelehrt werden allgemeine Grundlagen wie Sprache und Denken, Gedächtnis- oder Wahrnehmungspsychologie, Sozialpsychologie (der Mensch in Gruppen), differenzielle Psychologie („normale“ Unterschiede zwischen Menschen im Gegensatz zur klinischen Psychologie); oder Anwendungsfächer wie Sportpsychologie oder Arbeits- und Organisationspsychologie. Klinische Psychologie ist dabei ein solches Anwendungsfach, das sich mit leidensvollen Abweichungen von der Norm beschäftigt. Die eigentliche Heilkunst der Psychotherapie wird nicht im Rahmen eines akademischen Studiums vermittelt, sondern im Anschluss in einer mehrjährigen Ausbildung. (Das ändert sich allerdings gerade.)

Psychologische Psychotherapeut(inn)en: Personen, die Psychologie studiert und danach eine mehrjährige therapeutische Weiterbildung absolviert haben.

Schematherapie: Ein Verhaltenstherapieverfahren der Dritten Welle. Es geht davon aus, dass durch ungünstige zwischenmenschliche Kindheitserfahrungen mit verletzten Grundbedürfnissen so genannte „maladaptive Schemata“ entstehen und im Lauf des Lebens weiterentwickelt werden. Diese Schemata bestehen aus Erinnerungen, Gefühlen, Gedanken und Körperempfindungen. Um damit umzugehen, entwickeln Menschen bestimmte Bewältigungsstile/-reaktionen, die zwar das Beste sind, was uns unter diesen Umständen möglich ist, aber langfristig ungünstige Folgen haben. In der Therapie sollen diese Schemata und Verhaltensmuster erkannt und in eine günstige Richtung verändert werden. Neben Gesprächstechniken und der Arbeit an eigenen Denkmustern steht vor allem die Beziehungsarbeit im Mittelpunkt und der Einsatz von erlebnisaktivierenden Techniken (z. B. Imaginationsübungen).

Sexuelle Funktionsstörungen: Treten häufig vorübergehend als Begleitstörungen anderer Störungen auf. Ansonsten zählt hierzu alles, was verhindert, dass man die Sexualität so erleben kann, wie man gerne würde (ein oder mehrere zustimmende Gegenüber und ausreichend Fantasie vorausgesetzt): zu viel/zu wenig Lust, zu wenig Genuss, der Körper spielt nicht mit (bei Männern: zu schlaff; bei Frauen: zu trocken), der Orgasmus tritt nicht oder sehr verzögert ein oder die Ejakulation zu früh oder es treten Krämpfe und Schmerzen auf.

Somatoforme Störungen: Über längere Zeit treten wiederholt wechselnde körperliche Beschwerden auf, für die keine körperliche Ursache gefunden werden kann. Betroffen sein können u. a. das Herz-Kreislaufsystem, das Verdauungssystem, das Atmungssystem, die Haut und die Gelenke. Auch die offenbar unbegründeten Ängste, an einer schweren Krankheit zu leiden (Hypochondrie) oder entstellt zu sein (Dysmorphophobie) zählen ebenso hierunter wie diverse Schmerzstörungen.

Störung der sexuellen Entwicklung und Identität: Die eigene Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung zu finden und gut damit zu leben, kann an verschiedenen Punkten zur Herausforderung werden, die therapeutisch begleitet werden kann. Dabei wird unterstützend gearbeitet, um herauszufinden, wie mit der gegebenen Veranlagung erfüllt in der Gesellschaft gelebt werden kann. So genannte „Konversionstherapien“ zur Förderung einer „normalen“ Orientierung/Identität sind unethisch, schädlich, überflüssig und von allen relevanten Fachverbänden ausdrücklich abgelehnt.

Störungen der sexuellen Präferenz: Sexuelle Fantasien und Impulse sind auf ungewöhnliche oder hoch problematische Ziele und Verhaltensweisen gerichtet. Ungewöhnlich sind beispielsweise Fetischismus, Transvestitismus oder Sadomasochismus, problematisch Exhibitionismus, Voyeurismus und Pädophilie. Wobei unbedingt zu trennen ist: Für seine sexuelle Präferenz kann ein Mensch nichts; es ist vollkommen unsinnig jemanden dafür zu diskriminieren. Für den Umgang mit den eigenen Vorlieben ist hingegen jede(r) selbst verantwortlich, was ggf. die Aufnahme einer Psychotherapie bedeuten kann, bevor es zu Problemen kommt.

strategisch-behaviorale Therapie (SBT): modernes Verhaltenstherapieverfahren, das die Behandlung von Symptomen (z. B. Angstzustände oder Zwangsgedanken) und das übende Herangehen um die Aspekte Achtsamkeit und Körperwahrnehmung, Emotions-, Beziehungs- und Wertearbeit ergänzt.

Sucht: Ein Zustand unkontrollierbaren Verlangens. Dieser Zustand kann sich auf Substanzen beziehen (Alkohol, Nikotin, illegale Drogen) oder auch auf Verhaltensweisen (Shopping, Computerspiele, Sex). Zu unterscheiden ist die körperliche Abhängigkeit von der psychischen. Erstere äußert sich in Entzugssymptomen (z. B. Schlaflosigkeit bei Absetzen von Schlafmitteln) und erhöhter Toleranz (z. B. mit der Zeit mehr Alkohol „vertragen“ bis derselbe Trunkenheitszustand erreicht wird), Letztere im subjektiven Zwang zu konsumieren, dem Kontrollverlust über Anfang, Ende oder Dauer/Umfang des Konsums und der zunehmenden Einengung auf den Konsum.

systemische Psychotherapie: Ein Therapieverfahren, das Patient(inn)en nicht als isolierte „Problemträger“ betrachtet, sondern eingebettet in ein soziales System. In dieser Sichtweise betrifft ein Symptom nicht nur den einzelnen Menschen (z. B. die Tochter), sondern das ganze System (z. B. die Familie) und wird auch dadurch mitbedingt und aufrechterhalten. Folglich wird bei der Behandlung der Kontext auch stärker berücksichtigt als in anderen Verfahren und ggf. andere Personen stärker mit einbezogen.

tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Ein Therapieverfahren, das auf der Freud‘schen Psychoanalyse und ihren Weiterentwicklungen beruht. Im Zentrum steht die Annahme, dass psychische Erkrankungen auf unbewussten Konflikten und verdrängten Erfahrungen basieren. Deshalb soll es in dem Maße, wie diese Zusammenhänge geklärt werden, indirekt zu einer Besserung der Symptome kommen. Die eingesetzten Methoden entsprechen prinzipiell denen der psychoanalytischen Psychotherapie, jedoch ist die therapeutische Beziehung transparenter und mehr auf Augenhöhe. Zudem wird die so genannte „Regression“ begrenzt, also das vermeintliche Zurückfallen auf eine frühere Stufe der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb im Sitzen gearbeitet wird und nicht auf der klischeetypischen Couch.

Verhaltenstherapie (VT): Ein Therapieverfahren, das davon ausgeht, dass psychische Erkrankungen auch das Resultat von Lernprozessen sind und deshalb „verlernt“ bzw. „umgelernt“ werden können. Dabei geht es nicht nur um oberflächliche Kopplungen („Mich hat mal ein Hund gebissen, jetzt habe ich Angst vor Hunden“), sondern stark auch um frühe zwischenmenschliche Erfahrungen, die unsere Grundannahmen, unser Selbst- und Weltbild geprägt haben.

Verhaltenstherapie der dritten Welle: Die Verhaltenstherapie der ersten Welle konzentrierte sich auf einfache Reiz-Reaktions-Zusammenhänge („Wenn Spinne, dann Angst“). Schnell wurde klar, dass diese Betrachtungsweise für viele Störungsbilder zu oberflächlich ist. Die zweite Welle räumte dann den Gedanken der Person eine zentralere Bedeutung ein, weshalb sie auch als kognitive Wende bezeichnet wird. Es geht also nicht mehr nur um den Reiz (z. B. „Partner schreit mich an“) und die beobachtbare Reaktion (z. B. Rückzug), sondern auch um die inneren Vorgänge dazwischen (z. B. die Überzeugung „Es bringt am Ende doch nichts, sich zu wehren.“). Die dritte Welle schließlich ergänzt Aspekte wie Achtsamkeit, Akzeptanz, Körper- und Beziehungsarbeit – allesamt Elemente, für die mittlerweile empirisch eine therapeutische Wirkung erwiesen ist.

Zwangsstörungen: Gedanken oder Handlungen drängen sich immer wieder auf, sind für die Betroffenen unangenehm, können aber nicht wirkungsvoll abgewehrt werden. Die Gedanken drehen sich typischerweise u. a. um Schmutz, Aggression oder Moral; Beispiele für klassische Zwangshandlungen sind Waschen, Ordnen oder Kontrollieren.

Zuletzt aktualisiert am 23.10.2020